Spiel mir das Lied vom Sand (Teil 1)

Sonnensystem, Welt, Afrika, Mosambik, irgendwo im Norden, Bundesstaat Cabo Delgado, in der Nähe der Hafenstadt Pemba. Ich sitze in einem unbedeutenden Dorf, an einer unbedeutenden staubigen Sandpiste unter einem Baum und auf einer für den Baum mehr aber für mich weniger bedeutenden Wurzel. Es ist Staub trocken, verdammt heiß und ich hatte die letzte Nacht im Bus nur circa eine Stunde geschlafen, bzw. ich habe eine Stunde ignoriert, dass mein Kopf ständig an die Scheibe klopfte. Meine Augenlieder halten ihrem eigenen Gewicht nicht mehr Stand und trotz bedrohlicher monatelanger Trockenheit im Norden des Landes bildet jede einzelne Pore meines Körpers eine unerschöpfliche Wasserquelle. Wie ein Wasserfall strömt der Schweiß an meinem Körper herunter. Prunkvoll hängen die Schweißperlenketten um meinen Hals und ich sinke völlig übermüdet in meine verschränkten Arme. So unbedeutend die Szenerie für die Leser*innen erscheinen mag, die Bedeutung dieses Ereignisses kann man bestenfalls nur erahnen. Ein weißer, leicht erröteter und mit transparenten schillernden Perlen behangener Mann, der nördlichen Hemisphäre erscheint hier aus dem nichts. Wie ein weißes Kaninchen aus einem Hut gezaubert lungert dieses seltsame Wesen nun unter diesem Baum herum. Ist dies ein Zeichen des Himmels? Vierzig Kinder verschiedenen Alters versammeln sich beratend um dieses unbekannte Wesen herum. Dies muss eine wichtige Person sein, die hier aus dem Bus gespuckt wurde. Er trägt sogar tiefe schwarze Ringe um die Augen. Doch, der ist was Besonderes. 

Die Attraktion zweier Kinder, die sich bei einem eigens in den Sand gemalten Spiels einen heftigen Wettstreit leisten, wird schlagartig unbedeutend und alle wenden sich neugierig der unbekannten Erscheinung zu. Wild herum gestikulierend, doch den weißen Menschen fest im Blick, besprechen die Kinder das weitere Vorgehen. Wer konnte dieses stinkende Wesen nur sein? 
Ich richte mich etwas auf und zwinge mich meine Augen einen winzigen Spalt zu öffnen. Ich blicke in eine etwas scheue aber durchaus neugierige Masse an Kindern. Wie auf eine Theatervorstellung wartend, starren mir die Kinder erwartungsvoll entgegen. Während alle kurz vorher noch aufgeregt herumredeten, sind nun alle schlagartig stumm und warten darauf, dass etwas passiert. Der mutigste der Gruppe wagt es mich anzusprechen. Es ist eines der Kinder, dessen heroische Leistungen bei dem eben genannten Spiel von der Masse gefeiert wurde und nun keinerlei Aufmerksamkeit mehr bekommt. Er fordert mich heraus mit ihm in ein Duell zu treten. Ohne dieses Spiel jemals gespielt zu haben setze ich mich an den Rand des Feldes und lasse mir von zehn Kindern gleichzeitig das Spiel erklären. Da man in einer Gruppe wild herum springender Kinder sehr effizient arbeitet, habe ich selbstverständlich im Handumdrehen das Ziel des Spiels und jegliche Strategien und Tricks verinnerlicht. Nun geht plötzlich alles sehr schnell. Im Verlaufe des Spiels kopiere ich weitestgehend meinen Gegner. Mutwillig aber selbstbewusst nehme ich die Steine in die Hand, überspringe einige andere und nehme wieder andere Steine in die Hand um jene weiter zu verschieben. Meine Hand scheint das Spiel recht gut verstanden zu haben, meine Augen schweifen über die Gesichter der mitfiebernden Kinder und mein Gehirn beschäftigt sich mit Schlafentzug. Stein um Stein ziehe ich weiter, mein Gegner folgt der Spielweise, nur entgegengesetzt. Irgendwann, aus mir unbegreiflichen Gründen, erbeute ich Steine meines Gegners. Als ich zum nächsten Spielzug ansetze ging wieder das Kinder-Rumgefuchtel los. Ich denke mir, wollen die mich übern Tisch (bzw. durch den Sand) ziehen? Ich setzte bereits an los zu lamentieren, bis eines der Kinder behutsam versucht auf mich einzugehen, mich beruhigt und darauf hinweist, dass ich… gewonnen hätte. Das kam überraschend… Mein Gehirn meldet sich wieder zu „Wort“ und wundert sich: „Wow, ich habe grad gewonnen, ohne nachzudenken, ohne das Spiel jemals gespielt und ohne die Regeln verstanden zu haben“. Innerlich bin ich erfüllt von Selbstverliebtheit, spüre dass ich auserkoren bin als Gottes Sieges Engel unzählige Trophäen an mich zu reißen und mich mit mehr Gold und Diamanten zu schmücken. Ich möchte mich wie die alten portugiesischen Kolonialmächte über alles und jede*n hinwegsetzen, die Völker knechten, ausbeuten und bis auf den letzten Tropfen Blut auswringen und anschließend mein wohl verdientes Gläschen Rotwein genießen. 

Mein kurzer Wahn ebbt ab und ich komme schnell wieder zum trockenen Boden der Tatsachen zurück. Mir kommt die Idee meine Unbesiegbarkeit zu nutzen und überlege die Kinder zum Glücksspiel zu erziehen. Ich zeige mich aber von meiner milderen Seite und entscheide mich bescheiden aber mit überlegenem Blick mich aus dem Spielgeschehen zu entfernen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal deutlich betonen, dass mein Sieg nicht auf der treuen und unermüdlichen Unterstützung mehrerer Kinder beruhte, die jeden meiner Spielzüge überwacht haben und wenn es denn nötig wurde auch einschritten, wenn ich einen taktisch unklugen Spielzug wagen wollte. Auch die Friedfertigkeit, die Begeisterung und der Wille der Kinder mir dieses Spiel geduldig zu erklären trug nicht im Geringsten dazu bei, dass ich gewonnen habe. Einzig und allein waren es mein begrenzter Geisteszustand, der gewaltige Schlafentzug und der Wassermangel, die mir dazu verhalfen dieses Spiel zu gewinnen. Ihr solltet auf jeden Fall nicht dem folgenden Satz Glauben schenken, der von meiner anderen wohlgenährten und ausgeschlafenen Hälfte formuliert wurde.
Wohlgenährte und ausgeschlafene Hälfte: „Manchmal muss man sich auch mal selbst in den Sand setzen, sich die Staubwolke aus den Augen reiben und auf Augenhöhe von Kindern aus dem Dorf unter dem Baum sich mal was erklären lassen. Ich saß wohl doch auf der Wurzel des Geschehens ohne es zu merken.“
Das war der erste Teil von: „Spiel mir das Lied vom Sand“. Was das alles mit einem Lied zu tun hat folgt im Teil 2 auf weiteren „Saiten“. Also jetzt ist erstmal Zupfenstreich, also eher zupfen als Streich. „Kushi kuru“ (Danke auf Makua, in der Sprache der Region)

Ankunft in…?


Ankunft in Maputo, Mosambik. Mein Telefon ist anderer Meinung…völlig irrelevant ob mir mein Verstand ein Streich spielt oder mein Telefon Anbieter die Grenzziehung Vietnams kurzerhand ausgeweitet hat, es ist schön mollig warm hier. Ob hier nun wieder schwüle Nervenergüsse in Geschichten geformt werden überlasse ich mal dem Schicksal. Die Kopfscherzen sind auf jeden Fall schon gelandet, bei 40 Grad mehr, im Vergleich zu Berlin, erstmal nicht verwunderlich. Ahoi

Mit dem Rücken zur Sommersprossenwand (Jetzt erst recht!)

sommersprosse

Willkommen zurück aus dem Sommer, hiermit genießen wir nun offiziell und ungezwungen, völlig locker, ausgelassen, easy peasy, relaxed, gechillt, tiefen entspannt und verdammt nochmal sorgenfrei gemeinsam das Fest der dahinschwindenden Sommersprossen.

Leute, die Sonnencreme ist abgeschmiert, die Hitzewallungen ausgewalzt und die Eiscreme ausgeschleckt. Stellt euch nie mit dem Rücken zur Sommersprossenwand, denn im Herbst gibt’s alles nur mit Schuss oder Rumkugeln. Kopfkuss. Smoothies werden zu Erkältungstees, aus Sommerduft wird Schnapsatem, Aus Wir-Gefühl, Bier Geschwür.

Auch die Liegestühle halten nun die Klappe, die Sonnenschirme heißen bald Regenschirme und die liebevoll von Kindespfoten aufgetürmten Sandburgen werden bald gnadenlos im Sturm niedergerissen. Sturmtief, sturmtiefer, Orkan, Hölle. Wattwandern wird zu Einsinken. Die Flip Flops heißen nur noch „Flop“, die Badehose wird als Sturmmessgerät auf dem Balkon installiert und Strandkörbe werden zu Miesmuscheln.

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Mit dem Rücken zur Sommersprossenwand

sommersprosse
Willkommen zurück aus dem Sommer, hiermit genießen wir nun offiziell und ungezwungen, völlig locker, ausgelassen, easy peasy, relaxed, gechillt und verdammt nochmal sorgenfrei gemeinsam das Fest der dahinschwindenden Sommersprossen. Die Sonnencreme ist abgeschmiert, die Hitzewallungen ausgewalzt und die Eiscreme ausgeschleckt. Stellt euch nie mit dem Rücken zur Sommersprossenwand, denn im Winter gibt’s alles nur mit Schuss oder Rumkugeln. Auch die Liegestühle halten nun die Klappe, die Sonnenschirme heißen bald Regenschirme und die Sandburgen werden bald im Sturm niedergehen. Die Flip Flops heißen nur noch „Flop“, die Badehose wird als Sturmmessgerät auf dem Balkon installiert und Strandkörbe werden zu Miesmuscheln. Gute Laune weicht der Depression und „lass raus zum See“ bedeutet bald „lass Eisfischen gehen“. Statt beim Zelten Heringe werden bald Eiszapfen verwendet und die Ostsee ist dann das Tote Meer. Sommerliche Wiesen werden Steppenfelder und das Tempelhofer Feld ein einsames Einweggrill Trümmerfeld. Hier, wo wir sitzen, sind bald die Rehe über alle Berge und der Park verliert über den Winter seinen Namen. Draußen vor den Bars sitzen nur noch erstarrte Rauchmelder. Der Balkon wird zum Kühlschrank und das Bett zur zentralen Bedeutung des Lebens. Alles ist down, deshalb wickeln wir uns fest ins Trübsal der Daundecken ein und hören mir einfach mal zu. Ihr werdet jetzt ganz ruhig und aufmerksam. Heute ist ja noch alles fein und wir genießen die Sonne bevor sie bald völlig verstrahlt ist. Dafür ist ja heute auch Vollmond und ich jaule euch Lieder vor und verwandle euch mit meinen Geschichten in zottelige Märchenwölfe und Wölfinnen. Viel Spaß!

Die Abenteuer der Auberginen (Teil 4)

Ich drücke dem einen Schauspieler zwei Bananen in die Hand, aber nicht zu fest, denn sie sind schon alt. Seine Maitresse bzw. Kampfesunterstützerin zieht es vor den schrecklichen Bananenkampf aus sicherer Entfernung von der Tribüne aus zu beobachten. Als schaulustige und sensationslüsterne Zuschauerin macht sie es sich gemütlich, rutscht mit ihren zwei Gesäßhälften einige Male hin und her und findet schlussendlich die richtige Po-Sition. Händereibend träumt sie der bevorstehenden Gewaltexzesse entgegen. Weiterlesen „Die Abenteuer der Auberginen (Teil 4)“

„Die Abenteuer der Auberginen“ BALD Teil 4


Dieses Ereignis gab es WIRKLICH und es ist ZWINGEND notwendig es als Erzählung zu konservieren. Auch, wenn Gemüse schwer zu konservieren ist. Aber ich sorge für weiteren Konservierungsstoff!! Bald (vielleicht schon heute Nacht) folgt also der nächste Teil. 

HIER: Ein Beweisfoto aus den Kampfhandlungen. Die Auberginen schauen dem Spektakel aus der Kiste gebannt zu und blicken aus nächster Nähe den unvermeidlich nahenden Untergang der Bananen entgegen. Nichts für zart besaitete Menschen!!!

Verdrück dich Hintern Verschlag!

wurstladen

Wir befinden uns auf dem Schweinskopf Festival in Osterbruch in der Nähe von Cuxhaven. Viel Moor und viel Regen. Meine Aufgabe: „Verstecke die Dixitoilette, sie ist hässlich!“ Wir schreiben das Jahr 2016, das erste Septemberwochenende. Jetzt: Denk mal schön.

Als ich mir ein Denk Mal setzte, dachte ich mir, dass das Denkmal denk ich mal bereits aus-gedacht war. Doch ein Dach brauchte es nicht, dachte ich. Ein Denkmal, kein Ausdach! Aus den Gedanken in die Hände. Dann nahm es Gestalt an. Ich nahm Schrauben und bohrte sie in das Holz. Palette auf Palette, Paletti. Wer will denn schon so einen blauen Dixi Toiletten Kasten anstarren, so schön im Grünen? Auf dem Festival, alle sind gut gelaunt, wollen ihre Zeit genießen. Doch blaue Kästen sind nichts für Genießer. Ich dachte mir mal, ich baue ein Denkmal, als Versteck für die Notdurft. Nun steht es dort. Von mir errichtet. Für Alle. Für die Ewigkeit bestimmt. Das Denkmal meiner Reise. Das Denkmal zur Wiederankunft in das Reich der Schreibkunst, der Wortfetzen und Wortgewänder. Nun sind die Wörter in das Holz eingraviert. Die dreckigen Gedanken aufgemalt…Denkmal. Weiterlesen „Verdrück dich Hintern Verschlag!“

Die Abenteuer der Auberginen (Teil 3)

Ich fahre am Ufer der Rhone entlang und möchte Passanten fragen, ob sie Lust hätten an meinem Film teilzunehmen. Die Geschichte über die Abenteuer der Auberginen könnte dadurch noch ein wenig mehr an Spannung gewinnen, denke ich mir. Durch die Partizipation vollkommen Ahnungsloser, die bisher nicht in die Verstrickungen des Plots eingeweiht sind, könnte somit noch eine völlig neue Perspektive auf die zwischengemüselichen Beziehungen in Erfahrung gebracht werden. Die ganze Bandbreite der Verhältnismäßigkeiten untereinander – also welches Gemüse mit welchem Obst z.B. – könnten somit viel präziser umrissen werden.
Mehr zu der Theorie des Geschehens an dieser Stelle sei nicht gesagt. Empfehlungen zur tiefer greifenden Literatur wären z.B.: „Das extrasolare Zwiebelsystem“, „Die Herrschaft der Baumkronen“, „Karotten ausmisten“ oder „Der freche Stängel“ (letzteres ist auch näher in meiner Geschichte „Klammhalmlich“ erläutert).  Weiterlesen „Die Abenteuer der Auberginen (Teil 3)“